Einweihung des neuen Landeshuter Rathauses am 30.11.1905: Die Einweihung des neuen Rathauses fand heute statt. Die Stadt hat Flaggenschmuck angelegt. Um 2 Uhr versammelten sich die Festteilnehmer im alten Rathause. Im Zuge, an dessen Spitze der Regierungspräsident Freiherr von Seherr-Thoß, Bürgermeister Burkhardt, Stadtverordneten-Vorsteher Geheimer Kommerzienrat Methner, Landrat von Doetinchem, Regierungsrat Dr. Andritzki, Landschaftsdirektor von Portatius und die Spitzen der Stadt schritten, ging es zum neuen Rathause. Die Stadtkapelle blies: “Nun danket alle Gott” und “Großer Gott wir loben Dich”. Im Rathause überreichte der Herr Regierungspräsident an folgende Herren Auszeichnungen: Stadtverordneten-Vorsteher Geheimer Kommerzienrat Methner erhielt den Roten Adlerorden IV. Klasse, der frühere Stadtsekretär Weiß den Kronenorden IV. Klasse, der Zimmerpolier Ruschweih das Allgemeine Ehrenzeichen. Bei dem folgenden Festessen im Hotel zum Raben wurden viele Wünsche auf das Blühen und Gedeihen der Stadt Landeshut ausgesprochen. Abends 8 Uhr wurde von fast sämtlichen Vereinen der Stadt unter Leitung des Polizei-Inspektors Engler ein imposanter Fackelzug veranstaltet. Die Bauleitung des Rathauses hatten die Verfasser des Projekts, Architekten Gaze & Böttcher in Breslau, die örtliche Leitung der Stadtbaumeister Fisch, die Maurer- und Zimmerarbeiten Baumeister Weiner. Durch die Opferwilligkeit zahlreicher wohlhabenderer Bürger konnte dem Rathause eine reichere und würdigere Ausschmückung zuteil werden, als dies bei Verwendung von nur städtischen Mitteln möglich gewesen wäre. So stiftete der Stadtverordneten-Vorsteher Geheimer Kommerzienrat Methner, die bunten Glasfenster des Stadtverordnetensaales, der Stadtverordnete Fabrikbesitzer Prerauer den Prunkkamin, der Bürgermeister Burkhardt die bronzene Kaiserbüste, der Stadtverordnete Klahr die silberne Präsidentenglocke für denselben Raum. Das Magistratsitzungszimmer schmückten Stadtrat Geheimer Kommerzienrat Frahne mit den in Öl gemalten Porträts des Kaiserpaares und einem echten Teppich, Stadtrat Fabrikbesitzer Hamburger durch Schenkung der Möbel, die übrigen Magistratmitglieder, Beigeordneter Geheimer Medizinalrat Dr. Köhler, die Stadträte Honigbaum, Neumann, Schütz und Dr. Elstner, durch eine prachtvolle Standuhr, der inzwischen verstorbene Arzt Dr. Neetzke durch ein Prunkschreibzeug. An der Standuhr brachte Herr Stadtverordneter Kallinich ein kunstvoll in Holz geschnitztes Stadtwappen an. Das schöne bunte Treppenhausfenster ist eine Schenkung des Stadtverordneten Hiersemenzel. Der Photograph Böttcher brachte eine Darstellung des Empfangs Sr. Majestät des Kaisers in Landeshut am 11. Januar 1904 dar. Die Außenfronten verschönten der Kommerzienrat Rinkel durch Stiftung des Hussitenfrieses und der Stadtverordnete Kaufmann Wiener durch Schenkung der Laterne vor dem Haupteingang. Eine zur Einweihungsfeier herausgegebene Festschrift hat die Stadt der Werner’schen Druckerei zu verdanken, die sie auf ihre Kosten hergestellt hat. Möge es Landeshut auch in Zukunft nie an gleich opferwilligen Bürgern fehlen, wenn es gilt, so manches zur Verschönerung der Stadt zu schaffen, dessen Kosten allein aus den öffentlichen Einnahmen nicht bestritten werden können. Nicht ungenannt bleiben dürfen in dieser Chronik die Männer, deren Talent, Geschick und Fleiß die eigentliche Ausführung und Ausschmückung des Baues zu verdanken ist. So verschieden ihre Leistungen dem äußeren Aussehen nach sind, so mußten doch alle zusammenwirken, um das herzustellen, was jetzt als ein einheitliches Ganzes erscheint. Aus: Chronik der Stadt Landeshut (1910) |